Mit der neuen Kirchengemeinde Südliche Ortenau werden auch die Strukturen zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt neu gebündelt und weiterentwickelt. Ein wichtiger Schritt dafür ist jetzt getan: Am 30. September beschloss der Pfarreirat einstimmig die gemeinsame Risikoanalyse für die gesamte Kirchengemeinde. Sie bildet die Grundlage dafür, die bisherigen Präventionsmaßnahmen aus den früheren Seelsorgeeinheiten in eine gemeinsame Struktur zu überführen, Zuständigkeiten neu zu ordnen und die nächsten Schritte gezielt umzusetzen.
Von mehreren Konzepten zu einem gemeinsamen Schutzkonzept
Prävention gegen sexualisierte Gewalt ist seit vielen Jahren fester Bestandteil kirchlicher Arbeit. Ziel ist es, Risiken frühzeitig wahrzunehmen, klare Regeln für einen grenzachtenden Umgang zu schaffen und verlässliche Wege zu Hilfe und Unterstützung aufzuzeigen. Besonders im Blick stehen Kinder und Jugendliche sowie schutz- und hilfebedürftige Erwachsene. Den Rahmen dafür bildet das Institutionelle Schutzkonzept (ISK). Es beschreibt, wie eine Kirchengemeinde Grenzverletzungen, Übergriffen und sexualisierter Gewalt vorbeugt, welche Verhaltensstandards gelten und welche Schritte bei einem Verdacht oder einer Beobachtung vorgesehen sind. Dazu gehören beispielsweise ein Verhaltenskodex, Präventionsschulungen, Ansprech- und Beschwerdewege sowie – abhängig von der Tätigkeit – ein erweitertes Führungszeugnis.
Vor dem Zusammenschluss verfügten die fünf bisherigen Seelsorgeeinheiten und das Dekanat über eigene Schutzkonzepte. Vieles war bereits aufeinander abgestimmt. Diese bestehenden Strukturen werden nun zusammengeführt und bis zum 1. Januar 2027 soll daraus ein gemeinsames Institutionelles Schutzkonzept für die Kirchengemeinde Südliche Ortenau entstehen.
Risiken erkennen – Maßnahmen passend gestalten
Ein zentraler Bestandteil dieses Schutzkonzeptes ist die sogenannte Risikoanalyse. Sie fragt danach, in welchen Tätigkeiten, Angeboten, Räumen und Strukturen besondere Nähe, Abhängigkeiten oder andere Risikosituationen entstehen können – und welche Schutzmaßnahmen dort notwendig sind.
Eine Arbeitsgruppe hat dafür die bisherigen Risikoanalysen zusammengetragen und zu einer gemeinsamen Grundlage weiterentwickelt. Mit dem Beschluss des Pfarreirats am 30. September ist dieser Schritt nun abgeschlossen.
Aus der Risikoanalyse ergibt sich, welche Präventionsmaßnahmen für eine Tätigkeit erforderlich sind. Dabei gilt bewusst nicht für alle dasselbe: Entscheidend ist beispielsweise, wie regelmäßig und intensiv der Kontakt zu Kindern, Jugendlichen oder schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen ist.
Grundlage für ehrenamtliches Engagement ist die Erklärung zum grenzachtenden Umgang mit dem dazugehörigen Verhaltenskodex. Je nach Aufgabe können weitere Maßnahmen wie eine Präventionsschulung oder die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses hinzukommen.
Prävention bekommt eine gemeinsame Struktur
Parallel dazu werden die Zuständigkeiten innerhalb der neuen Kirchengemeinde neu geordnet. Seit dem 1. September stehen für die Koordination und Weiterentwicklung der Präventionsarbeit erstmals 25 feste Stellenprozent zur Verfügung. Wahrgenommen werden sie von Melanie Bischoff, die zugleich als Referentin für Engagementförderung tätig ist. Damit gibt es künftig eine feste Stelle, an der Informationen, Prozesse und unterschiedliche Arbeitsbereiche zusammenlaufen können – insbesondere auch mit Blick auf die zahlreichen ehrenamtlich Engagierten.
Prävention bleibt dabei eine gemeinsame Aufgabe: Verantwortlich für die Umsetzung sind weiterhin die jeweiligen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Verantwortlichen in ihren Arbeits- und Engagementfeldern. Die neue Stelle unterstützt sie dabei, sorgt für verlässliche Strukturen und koordiniert übergreifende Prozesse.
Eine Stabsstelle Prävention soll zusätzlich unterschiedliche Bereiche und Perspektiven zusammenführen. Hauptberufliche und ehrenamtliche Ansprechpersonen werden festgelegt und miteinander vernetzt. Zudem soll ein gemeinsamer Pool geschulter Multiplikatorinnen und Multiplikatoren dafür sorgen, dass Präventionsschulungen künftig auf Ebene der gesamten Kirchengemeinde regelmäßig angeboten werden können.
Auch das Seelsorgeteam hat sich im September noch einmal intensiv mit seiner Rolle in der Präventionsarbeit auseinandergesetzt. Bei einem Dienstgespräch Ende September vertiefte das Team gemeinsam mit Gabriele Schmitt-Zimper, Präventionsfachkraft der Erzdiözese Freiburg für die Begleitung der Kirchengemeinde, insbesondere den Umgang mit Erstgesprächen. Denn wer Ehrenamtliche begleitet, führt auch Gespräche zum Verhaltenskodex und wirkt an der Umsetzung der Risikoanalyse mit. Damit Prävention im Alltag trägt, braucht es neben klaren Strukturen auch Sicherheit im Gespräch und im konkreten Handeln.
Mit dem Beschluss der Risikoanalyse im Pfarreirat beginnt nun die nächste Phase: Die vorgesehenen Maßnahmen werden Schritt für Schritt in den unterschiedlichen Arbeits- und Engagementfeldern überprüft und umgesetzt. Dabei beginnt die Kirchengemeinde nicht bei Null, denn vieles ist seit Jahren etabliert. Der Zusammenschluss bietet vielmehr die Chance, Bewährtes zusammenzuführen, Zuständigkeiten klarer zu ordnen und dort nachzusteuern, wo die gemeinsame Betrachtung zusätzlichen Handlungsbedarf zeigt.
Denn Prävention lebt nicht allein von Konzepten und Unterlagen. Sie lebt davon, dass Menschen aufmerksam miteinander umgehen, Grenzen respektieren, Unsicherheiten ansprechen können und wissen, an wen sie sich wenden können. Das gemeinsame Ziel bleibt deshalb einfach: Kirche soll ein Ort sein, an dem Menschen sich sicher fühlen können – und an dem Schutz und ein grenzachtender Umgang selbstverständlich dazugehören.
Prävention ganz praktisch: Gabriele Schmitt-Zimper vertiefte mit dem Seelsorgeteam der Kirchengemeinde Südliche Ortenau den Umgang mit Erstgesprächen und die Rolle der Mitarbeitenden in der Präventionsarbeit.