Blumen verbinden über das Ortsschild hinaus

Gemeinsam haben wir wieder etwas Wunderschönes geschaffen.

 Unsere Kirche in den Dörfern befindet sich im Wandel. Gottesdienste werden seltener gefeiert, und nicht jeder Festtag kann noch in jedem Ort begangen werden. Umso wertvoller sind die Gelegenheiten, bei denen Menschen zusammenkommen, gemeinsam anpacken und Gemeinschaft erleben.
 
So konnten wir in Reichenbach auch in diesem Jahr wieder Fronleichnam feiern. Auf dem Lindenplatz versammelte sich die Gemeinde zum festlichen Gottesdienst. Anschließend zog die Prozession zum Altar der Stephanusgruppe im Oberdorf und weiter zur Kirche.
 
Doch ein solcher Festtag beginnt nicht erst mit dem Gottesdienst. Bereits seit Montag liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Birken und Tannenreisig wurden besorgt, Straßen und Häuser geschmückt, Fahnen aufgestellt und Blumen, Blüten sowie Thuja für die Altäre vorbereitet. Im Pfarrheim herrschte reges Treiben. Besonders die Senioren des TuS und die Mitglieder des Kirchenchores waren eine große Unterstützung. Ohne dieses Engagement wäre vieles nicht möglich.
 
Ein besonderer Höhepunkt war in diesem Jahr ein neues Projekt. Die Seniorinnen und Senioren der Tagespflege des Pflegezentrums St. Hildegard in Seelbach waren eingeladen, bei der Gestaltung der Mosaikbilder für den Blumenteppich mitzuwirken. Mit viel Freude, Kreativität und Begeisterung entstanden in kurzer Zeit wunderschöne Bilder. Es war schön zu erleben, mit welchem Eifer und welcher Freude alle dabei waren.
 
Am Nachmittag waren dann die jüngsten Künstlerinnen und Künstler an der Reihe. Mit Fantasie und Begeisterung entstanden bis zum Abend rund 70 Bilder. Alt und Jung haben auf ihre Weise Spuren in diesem Blumenteppich hinterlassen und ihn zu etwas ganz Besonderem gemacht.
 
Am Fronleichnamstag wurden in den frühen Morgenstunden die Altäre aufgebaut und der Blumenteppich gelegt. Der Blick zum Himmel war dabei immer wieder von der Hoffnung begleitet, dass das Wetter mitspielen möge. Und tatsächlich: Pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes zeigte sich die Sonne und ließ die Farben der Blumen in ihrem schönsten Licht erstrahlen.
 
Pater Yesudas feierte mit der versammelten Gemeinde einen festlichen Gottesdienst. Der Kirchenchor und der Musikverein verliehen der Feier einen würdigen und feierlichen Rahmen.
 
Viele Vereine unseres Dorfes begleiteten die Prozession mit ihren Fahnen. Die Feuerwehr, der Schützenverein, der Männergesangverein, der TuS Reichenbach und der Musikverein waren ebenso dabei wie die Erstkommunionkinder, die Ministrantinnen und Ministranten sowie die Trägerinnen und Träger von Fahnen und Himmel. Gemeinsam begleiteten sie die Prozession durch die Straßen unseres Dorfes.
 
Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die mitgeholfen haben – beim Vorbereiten, Schmücken, Gestalten, Aufbauen und Mitfeiern. Jeder einzelne Beitrag war wertvoll. Erst durch die vielen helfenden Hände und die große Beteiligung wurde dieses Fronleichnamsfest zu dem, was es war: ein lebendiges Zeugnis von Glauben und Gemeinschaft.
 
Doch die Geschichte unseres Blumenteppichs endete nicht in Reichenbach. Die gestalteten Mosaikbilder wurden nach Seelbach weitergegeben. Dort wurden sie am Sonntag nach Fronleichnam beim Gottesdienst im Pflegezentrum St. Hildegard im wunderschönen Garten ausgelegt. Unter der Leitung von Frau Heuberger entstand auch dort ein beeindruckender Blumenschmuck für den Gottesdienst.
 
Die Kirche verändert sich in unseren Dörfern. Manches, was früher selbstverständlich war, muss heute neu gedacht werden. Das ist nicht immer einfach. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen und über die Grenzen des eigenen Ortes hinaus Gemeinschaft zu erleben.
 
Der diesjährige Blumenteppich hat dafür vielleicht einen kleinen Anfang gemacht. Kinder und Senioren, Menschen aus Reichenbach und Seelbach, Vereine und Gemeindemitglieder haben gemeinsam etwas geschaffen, das über den Festtag hinausgewirkt hat. Die Bilder sind weitergewandert und haben an einem anderen Ort erneut Freude bereitet.
 
Vielleicht ergeben sich daraus weitere Gelegenheiten zur Begegnung und Zusammenarbeit in unserer großen Kirchengemeinde Südliche Ortenau. Denn Gemeinschaft entsteht nicht von selbst – sie wächst dort, wo Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen und miteinander etwas zu gestalten.
 
Gemeinsam haben wir in diesem Jahr etwas Schönes geschaffen. Dafür danken wir allen, die mitgeholfen, mitgestaltet und mitgefeiert haben, von Herzen.
 
Sabine Hetzinger