„Gib Frieden, Herr“ - Lied des Monats September 2026

Seit einiger Zeit haben wir schon das Lied des Monats, das in den Gottesdiensten unserer Gemeinden gesungen wird. Kantor Tilo Strauß stellt das neue Lied des Monats kurz vor.

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.
 
Der Wunsch nach Frieden in diesen Tagen ist so aktuell, wie in der Entstehungszeit unseres Monatslied im 16. Jahrhundert. Die Ursprünge des Textes aus der Liturgie sind jedoch noch bedeutend älter und die erste Melodiefassung stammt aus dem Gregorianischen Choral, überliefert aus dem Benediktinerkloster Einsiedeln mit dem lateinischen Text „Da pacem, Domine“ aus dem 12. Jahrhundert. 
 
Die Fassung im GL 475 ist eine Übertragung in die deutsche Sprache von Martin Luther, die sich stark an der gregorianischen Melodie orientiert hat und diese der deutschen Sprache angepasst hat. Die Ähnlichkeit der beiden Fassungen ist deutlich zu erkennen und im Gotteslob auch gut zu vergleichen, da die lateinische Originalfassung unter der Nr. 473 zu finden ist. Die Tonart (II. Modus, Hypodorisch) hat Luther übernommen und den groben Melodieverlauf ebenso. So lassen sich über den gesamten Melodieverlauf immer wieder ähnliche Floskeln erkennen.
 
Dass beide Fassungen immer wieder aktuell waren und häufig gesungen wurden, lässt sich an den vielen verschiedenen Vertonungen erkennen. So finden sich bereits in sehr früher Orgelmusik, beispielsweise bei Arnold Schlick (1455 – ca. 1525) kunstvolle Vertonungen über diesen Gesang oder zahlreiche Motetten und Choralvertonungen (J. S. Bach) über die Jahrhunderte hinweg. Ein besonders schönes und häufig aufgeführtes Beispiel ist die Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ für Chor und Orchester von Felix Mendelssohn Bartholdy.
 
Kantor Tilo Strauß
 
GL 475 Verleih uns Frieden gnädiglich (1 Strophe)
Text: Martin Luther
Melodie: Einsiedeln 12. Jh. / Wittenberg 1529