"Noch ehe die Sonne am Himmel stand" - Lied des Monats Juni 2026
Seit einiger Zeit haben wir schon das Lied des Monats, das in den Gottesdiensten unserer Gemeinden gesungen wird. Im AKTUELL stellt Kantor Tilo Strauß das neue Lied des Monats kurz vor.

- Noch ehe die Sonne am Himmel stand, die Nacht ein Ende fand,
noch ehe sich ein Berg erhob, zu scheiden Meer und Land,
bist du, Gott, unser Gott, die Zuflucht für und für.
Dir leben wir, dir sterben wir, wir gehen von dir zu dir.
- Der du allem Leben den Atem schenkst, hab mit uns noch Geduld;
Wo wir versagen, irre gehen, vergib uns unsre Schuld.
Du bist Gott, unser Gott, die Zuflucht für und für.
Dir leben wir, dir sterben wir, wir gehen von dir zu dir.
Gottvertrauen und Trost sind die Themen im Monatslied für Juni, welches sich im Stammteil des Gesangbuchs Gotteslob findet. Der Text ist dem Psalm 90 nachgedichtet, der die Beziehung zwischen dem ewigen Gott und dem vergänglichen Menschen beschreibt.
Eugen Eckert (*1954), der Textdichter des Liedes, ist ein evangelischer Pfarrer aus Frankfurt am Main (Stadionpfarrer). Er ist Verfasser von Texten neuer geistlicher Lieder und war bis 2021 Autor u.a. beim Hessischen Rundfunk.
Die erste Strophe im Monatslied beschreibt die immerwährende göttliche Präsenz, in der zweiten Strophe wird um Nachsicht unserer Verfehlungen gebeten. Die dritte und vierte Strophe beschäftigt sich mit der menschlichen Vergänglichkeit. Alle vier Strophen schließen mit dem gleichen Bekenntnis ab, dass Gott unsere Zuflucht ist, aus dem wir kommen, der unser „Zuhause“ ist und zu dem wir wieder gehen. Man kann in diesem Text durchaus auch eine Aufforderung sehen, jeden Tag zu nutzen und sich trotz unserer Verirrungen getröstet bei Gott zu wissen.
Der Schöpfer der Liedmelodie, Segej Andrewitsch Bazuk (1910 – 1973), war ein Baptistenprediger, Chorleiter und Komponist aus der Ukraine, er verstarb 1973 in Kiew. Die Melodie in d-Moll klingt eher wehmütig und melancholisch, drückt aber damit die Sehnsucht nach Gott sehr passend aus. Der fließende Melodieverlauf wird in der vierten Zeile durch die zweimalige Anrufung „…bist du Gott“, bzw. „…du bist Gott“ mit zwei längeren Haltenoten unterbrochen. Ebenso wird die Melodie durch eine Fermate (Haltezeichen) beim Phrasenende „…sterben wir“ kurz angehalten. Ungewöhnliche musikalische Mittel bei Kirchenlieder für eine Gemeinde, die aber ihre Wirkung nicht verfehlen werden.
Der nachdenkliche Text und der musikalische Duktus ermöglichen ein Gebrauch des Liedes nicht nur bei Gottesdiensten oder Andachten zum Thema Vertrauen und Trost, sondern auch bei ernsten Feiern, Beerdigungen, oder auch bei Seelenämtern.
Kantor Tilo Strauß
GL 434 - "Noch ehe die Sonne am Himmel stand" (4 Strophen)
Text: Eugen Eckert 1991
Melodie: Sergej A. Bazuk
